Technologie & KI

10 Technologie-Trends für KMU: Was jetzt zählt und was du ignorieren kannst

An Technologie-Trends mangelt es nicht. Künstliche Intelligenz, Automatisierung, Roboter, Quantencomputer und Blockchain-Anwendungen tauchen regelmässig in den Schlagzeilen auf.

Dieser Überblick ordnet zehn wichtige Technologieentwicklungen und Technologiethemen für Geschäftsleitungen von KMU ein. Einige solltest du aktiv angehen. Andere solltest du auf dem Radar behalten. Und bei manchen Trends kannst du dich vorerst zurückhalten, ohne den Anschluss zu verpassen.

1. Künstliche Intelligenz

EinordnungAktiv angehen

Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr ein Thema nur für grosse Technologiekonzerne. Viele Unternehmen nutzen bereits Anwendungen, die Texte zusammenfassen, E-Mails formulieren, Dokumente durchsuchen, Bilder erstellen oder Daten aus Rechnungen und Formularen auslesen.

Der grösste Nutzen entsteht dabei nicht durch eindrucksvolle Einzelprojekte, sondern bei wiederkehrenden Aufgaben. Ein Treuhandunternehmen kann beispielsweise Belege vorsortieren, ein Produktionsbetrieb kann Wartungsprotokolle strukturieren oder ein Handelsunternehmen kann Produktbeschreibungen vorbereiten. Die verantwortliche Person kontrolliert das Ergebnis weiterhin, spart aber Zeit bei der Bearbeitung.

Genau hier liegt der wichtige Unterschied zwischen sinnvoller KI-Nutzung und Aktionismus. Du musst keine GPU beschaffen oder eigene KI-Modelle trainieren. Für die meisten KMU reicht eine bestehende Anwendung, die sich einfach in den heutigen Arbeitsablauf integrieren lässt. Prüfe aber immer zuerst das Problem und den Prozess, bevor du nach einer technischen Lösung suchst.

2. Cyber-Sicherheit

EinordnungAktiv angehen

Cyber-Sicherheit ist keine Technologie im engeren Sinn. Sie gehört trotzdem in diese Übersicht, weil mit der Digitalisierung auch die Cyber-Risiken wachsen. Ein Angriff kann den Verkauf, die Produktion, die Lohnzahlung, den Zugriff auf Kundendaten oder die Kommunikation mit Lieferanten beeinträchtigen oder lahmlegen. Gerade kleinere Unternehmen sind oft stark von wenigen Systemen und einzelnen Schlüsselpersonen abhängig.

Viele Angriffe beginnen nicht mit komplizierten technischen Methoden. Häufig reicht eine gefälschte Nachricht, ein gestohlenes Passwort, eine nicht aktualisierte Software oder ein kompromittierter Zugang. Ransomware, Phishing und Identitätsbetrug gehören zu den Risiken, mit denen Unternehmen rechnen müssen.

Ein KMU braucht dafür keine Sicherheitsabteilung mit Spezialisten. Es braucht aber klare Mindeststandards. Auch externe Anbieter gehören in die Prüfung. Wer Lohnabrechnungen, Kundenverwaltung, Dokumente oder Produktionsdaten auslagert, muss wissen, wo die Daten verarbeitet werden, wie der Zugriff geschützt ist und was bei einem Sicherheitsvorfall passiert.

3. Workflow-Automatisierung und No/Low-Code

EinordnungAktiv angehen

Viele administrative Abläufe bestehen aus wiederkehrenden Schritten: Informationen übertragen, Aufgaben erstellen, Dokumente ablegen, Freigaben einholen oder Benachrichtigungen versenden. Workflow-Automatisierung verbindet solche Schritte und lässt sie automatisch ablaufen.

No-Code- und Low-Code-Plattformen machen diese Möglichkeiten auch für KMU einfacher zugänglich. Viele Automatisierungen lassen sich heute mit wenig oder ganz ohne Programmierung erstellen und mit bestehenden Anwendungen wie CRM, Buchhaltung oder Projektmanagement verbinden.

Eine Anfrage aus einem Webformular kann beispielsweise automatisch dem richtigen Team zugeteilt werden. Nach einem Kundentermin kann eine Aufgabe im CRM entstehen. Rechnungen können zur Freigabe weitergeleitet oder Daten aus verschiedenen Systemen für einen Monatsreport zusammengeführt werden. Interessant sind vor allem stabile, wiederkehrende Abläufe mit hohem manuellem Aufwand oder Fehlerpotenzial.

4. Internet der Dinge und Edge Computing

EinordnungJe nach Branche aktiv angehen, sonst auf den Radar

Beim Internet der Dinge oder «Internet of Things» (IoT) werden Maschinen, Geräte oder Sensoren vernetzt. Dadurch lassen sich Daten automatisch erfassen und Vorgänge auslösen. In der Produktion können Sensoren beispielsweise Temperatur, Vibration oder Energieverbrauch messen. Im Gebäudebetrieb können sie Heizung, Beleuchtung oder Raumbelegung überwachen.

Für Unternehmen mit physischen Anlagen kann IoT einen klaren Nutzen bringen. Wartungsbedarf wird früher erkannt, Stillstände lassen sich reduzieren und der Energieverbrauch wird transparenter. Auch in Logistik, Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Gebäudetechnik gibt es sinnvolle Anwendungen.

Edge Computing bedeutet, dass Daten näher am Gerät verarbeitet werden, statt immer an einen entfernten Server gesendet zu werden. Das kann bei Echtzeit-Reaktionen, begrenzter Internetverbindung oder sensiblen Produktionsdaten interessant sein.

5. Blockchain

EinordnungFür die meisten vorerst zurückhalten

Blockchain-Technologie kann in bestimmten Bereichen sinnvoll sein, etwa bei nachvollziehbaren Transaktionen, digitalen Vermögenswerten oder speziellen Formen der Nachweisführung. Für KMU ist sie jedoch keine dringende technologische Baustelle.

Ein Unternehmen braucht keine Blockchain, nur weil mehrere Parteien Daten austauschen. Oft reicht eine gemeinsame Datenbank mit klaren Zugriffsrechten. Auch ein digitaler Gutschein, ein Kundenbindungsprogramm oder eine interne Dokumentation sind nicht automatisch besser, wenn sie mittels einer öffentlichen Blockchain abgewickelt werden.

Die entscheidende Frage für dich lautet: Welches konkrete Problem lässt sich mit diesen Technologien besser lösen als mit einer normalen Datenbank, einem herkömmlichen Vertrag oder einem bestehenden Zahlungssystem? Wenn darauf keine klare Antwort folgt, spricht wenig für ein Blockchain-Projekt.

6. Augmented und Virtual Reality

EinordnungJe nach Branche aktiv angehen, sonst auf den Radar

Augmented Reality (AR) ergänzt die reale Umgebung um digitale Informationen. Virtual Reality (VR) ermöglicht dagegen das Arbeiten und Lernen in einer vollständig virtuellen Umgebung. Für viele KMU ist der praktische Nutzen bisher begrenzt, in einzelnen Branchen gibt es jedoch interessante Anwendungen.

Mitarbeitende können beispielsweise gefährliche oder komplexe Abläufe in einer virtuellen Umgebung trainieren. Bei Wartung und Service können digitale Informationen direkt an einer Maschine eingeblendet werden. Produkte, Gebäude oder Anlagen lassen sich dreidimensional präsentieren oder mithilfe von AR in ihrer späteren Umgebung darstellen.

Entscheidend ist auch hier der konkrete Nutzen. Eine AR- oder VR-Anwendung lohnt sich nicht, nur weil sie ein eindrückliches Erlebnis bietet. Sie sollte eine Aufgabe einfacher, sicherer oder verständlicher machen, die sich mit herkömmlichen Mitteln nur schwer lösen lässt.

7. Quantencomputing

EinordnungVorerst zurückhalten

Quantencomputer arbeiten mit anderen technischen Prinzipien als klassische Computer. Sie könnten in bestimmten Bereichen grosse Rechenprobleme bearbeiten, etwa bei Optimierung, Materialforschung oder komplexen Simulationen. Die Technologie ist jedoch für den KMU-Alltag noch nicht als Standardwerkzeug verfügbar.

Für Unternehmen ergeben sich heute eher indirekte Fragen. Wie lange bleiben bestehende Verschlüsselungsverfahren sicher? Gibt es in der eigenen Branche langfristig Anwendungsfälle, bei denen Quantencomputing relevant werden könnte?

Eigene Projekte rund um Quantencomputing sind derzeit nur für Unternehmen mit einem passenden Geschäftsmodell, spezialisierten Fachkräften und einem klaren wirtschaftlichen Ziel sinnvoll.

8. Cloud, SaaS und API-Ökosysteme

EinordnungAktiv angehen

Cloud-Dienste und Software-as-a-Service (SaaS) haben den Zugang zu Unternehmenssoftware stark vereinfacht. Anwendungen können damit innerhalb kurzer Zeit genutzt werden, ohne eigene Server zu betreiben oder umfangreiche Softwareprojekte zu starten. Durch die grosse Vielfalt lässt sich zudem häufig passende Standardsoftware finden, statt eigene Lösungen zu entwickeln.

Interessant wird das Zusammenspiel verschiedener Anwendungen. Über Programmierschnittstellen, sogenannte APIs (Application Programming Interface), können Systeme Daten austauschen und Prozesse miteinander verbinden (siehe Workflow-Automatisierung). Eine Bestellung aus einem Online-Shop kann beispielsweise automatisch im ERP verarbeitet werden. Kundendaten können zwischen CRM und Marketing-System ausgetauscht oder Informationen aus verschiedenen Anwendungen für Auswertungen zusammengeführt werden.

Die einfache Verfügbarkeit hat allerdings eine Kehrseite. Wenn für jedes Problem eine neue Anwendung eingeführt und alles mit allem verbunden wird, entsteht schnell eine schwer überschaubare Systemlandschaft. Zusätzliche Kosten, Abhängigkeiten von Anbietern, Sicherheitsrisiken und komplizierte Schnittstellen können die vermeintliche Einfachheit wieder zunichtemachen.

9. Digital Twins

EinordnungJe nach Branche aktiv angehen, sonst auf den Radar

Ein digitaler Zwilling ist ein digitales Abbild eines realen Produkts, einer Maschine oder eines Gebäudes. Er wird mit Daten aus dem realen Betrieb aktualisiert und kann für Überwachung, Simulation und Wartung genutzt werden.

Für ein Unternehmen mit komplexen Anlagen kann das Vorteile bringen. Eine Maschine lässt sich virtuell überwachen, bevor ein Techniker vor Ort ist. Verschiedene Einstellungen können simuliert werden. Bei einem Gebäude können Energieverbrauch und technische Zustände betrachtet werden.

Für viele KMU ist der Aufwand jedoch zu hoch, wenn nur wenige Anlagen betroffen sind oder die notwendigen Daten nicht vorhanden sind. Ein digitales Modell allein schafft noch keinen Nutzen. Sensorik, Datenqualität, Software, Fachwissen und laufende Pflege gehören ebenfalls dazu. Ein einfacheres Anlagenregister, ein Wartungsplan oder eine saubere Dokumentation kann oft denselben praktischen Zweck erfüllen.

10. Robotik und autonome Systeme

EinordnungJe nach Branche aktiv angehen, sonst auf den Radar

Roboter sind nicht nur für grosse Automobilwerke interessant. Auch kleinere Unternehmen können sie einsetzen, etwa für Verpackung, Palettierung, Schweissen, Qualitätsprüfung oder repetitive Montagearbeiten. Mobile Roboter können in Lager und Logistik bestimmte Transportaufgaben übernehmen.

Die Wirtschaftlichkeit hängt stark vom Prozess ab. Wiederkehrende Abläufe mit stabilen Materialien und klaren Arbeitsschritten eignen sich eher für Automatisierung als häufig wechselnde Einzelanfertigungen. Auch Platzbedarf, Sicherheitsvorgaben, Wartung und Schulung müssen in die Rechnung einbezogen werden.

Ein Roboter kann Mitarbeitende von belastenden oder monotonen Aufgaben entlasten und dadurch knappe personelle Kapazitäten gezielter einsetzen. Jedoch braucht das Unternehmen auch Personen, die den automatisierten Prozess verstehen und bei Störungen reagieren können.

Fazit

Technologie-Trends sind für KMU dann wichtig, wenn sie ein konkretes geschäftliches Problem lösen. Künstliche Intelligenz, Cyber-Sicherheit, Workflow-Automatisierung und Cloud/SaaS sollten von den meisten Unternehmen aktiv angegangen werden. Sie können Abläufe verbessern, Mitarbeitende entlasten, Kosten senken oder die Qualität der Arbeit erhöhen.

Internet der Dinge, digitale Zwillinge, AR/VR oder Robotik sind stärker branchen- und anwendungsabhängig. Für Unternehmen mit physischen Anlagen oder entsprechenden Prozessen können sie bereits heute relevant sein.

Blockchain und Quantencomputing kannst du als KMU in den meisten Fällen vorerst zurückstellen. Du verpasst damit nichts, sondern gewinnst Zeit für die Grundlagen, auf denen jede weitere Technologie aufbaut: Sichere Systeme, klare Prozesse, gute Daten und Mitarbeitende, die den Nutzen verstehen.

Bei all den Hypes und Trends ist die beste Technologieentscheidung nämlich selten die spektakulärste. Sie ist diejenige, die im Alltag funktioniert, von den Menschen akzeptiert wird und einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet.

3 Fragen für dich

  1. Welche wiederkehrenden Probleme oder Engpässe in deinem Unternehmen könntest du mit Technologie heute einfacher lösen?
  2. Welche der vorgestellten Technologien solltest du aktiv angehen und welche kannst du bewusst zurückstellen?
  3. Sind deine Grundlagen wie Prozesse, Daten, Systeme und Verantwortlichkeiten gut genug, um neue Technologien sinnvoll einzusetzen?

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